Aby Warburg – Mnemosyne Bilderatlas – ZKM Karlsruhe

zur Ausstellung:

Aufgrund seines plötzlichen Todes ging man lange davon aus, das Werk sei ein Fragment. Selbst am Ende des 20. Jahrhunderts, nachdem die Tafeln erstmals in Buchform publiziert worden waren, blieb es eine Legende. Warburg untersuchte das „Nachleben der Antike“ auf dem Boden der europäischen Kultur. In der offenen Struktur seiner Bildersysteme zeigte er, wie Motive und Gesten – von ihm „Pathosformeln“ genannt – über Kulturen und Zeiten hinweg weitergegeben wurden.
Der Atlas verzeichnet die „Wanderstrassen der Kultur“, folgt ihrer Bewegung auf den „Bilderfahrzeugen“: Kalender, Sternkarten, Teppiche, Graphiken. Als erster „Medienwissenschaftler“ erweiterte er die Kunstgeschichte der Meisterwerke um die Bereiche der Mode, Werbung und Alltagskultur. Mit Schwarz-Weiß-Fotografien von Kunstwerken und Objekten aus unterschiedlichsten Epochen, die er auf schwarz bespannten Tafeln anbrachte, entwarf Warburg Bild-Konstellationen, in denen neue unbekannte inhaltliche Bezüge sichtbar wurden.

Quelle: http://zkm.de/event/2016/09/aby-warburg-mnemosyne-bilderatlas

Notizen:

Auf Aby Warburg bin ich 1992 aufmerksam geworden. Ein Buch über die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg war gerade herausgekommen. Seitdem hat mich Aby Warburg beschäftigt. Als Wissenschaftler hat er Bücher gesammelt wie er sie brauchte, hat eine Bibliothek entworfen und bauen lassen, in der er die Bücher nach seiner Ordnung archivieren und anderen zur Verfügung stellen konnte. Die Bibliothek war nicht als Bücherort, sondern als Menschenort geplant. Und das bei damals aktueller technischer Ausstattung.

Die Zettelkästen und das große Projekt Mnemosyne Bilderatlas faszinieren mit dem beharrlichen Wollen eine Ordnung zu finden in der Vielzahl der Eindrücke und Ahnungen, um formulieren und Thesen belegen zu können. Der Bilderatlas dokumentiert dieses offene System aus Bezügen und Ähnlichkeiten eindrucksvoll. Die Zusammenstellung der Abbildungen im Bilderatlas formuliert visuell nachvollziehbare Thesen und thematisiert Zeit und Ideen zwischen den Bildern.

In Karlsruhe sind die Tafeln in Originalgröße rekonstruiert. Die schwarzweißen Abbildungen auf den Tafeln zeigen, was Aby Warburg angeheftet hatte. Die Ordnung und das Verhältnis der Abbildungen sind wie Warburg sie angelegt hat. Die Tafeln mit verschiedenen Bildqualitäten und verschiedenen Kartons, auf die die Abbildungen aus allerlei Quellen kaschiert waren, bleiben leider verloren. Wie Finden und Suchen für den Bilderatlas gewesen sein könnten, machen zwei mit Originalmaterial rekonstruierte Tafeln in der Ausstellung nachvollziehbar.

Ort: ZKM Karlsruhe
Dauer: 01.09.2016 bis 13.11.2016
Besuch: Barbara Christin
Datum: 26.10.2016
URL: http://zkm.de/

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