Auf den Schultern von Giganten – Kunsthalle Mainz

zur Ausstellung:

Die internationale Gruppenausstellung Auf den Schultern von Giganten widmet sich dem Thema der Vorgängerschaft in der zeitgenössischen Kunst. Dabei werden evolutionäre Entwicklungsphasen und familiäre Beziehungsmuster ebenso behandelt wie das Verhältnis zeitgenössischer Künstler zu Werken und Leistungen vorangegangener Künstler. In der Rolle als Nachfolger konkreter Menschen, künstlerischer Errungenschaften oder stilistischer Strömungen wird ihr Werk kontinuierlich mit dem ihrer Vorgänger verglichen und an ihm gemessen. Das Verlangen nach Neuem, Ungesehenem, Ungedachtem wächst mit dem Vorbehalt gegenüber allzu fremdartigen, schwer fassbaren oder schlecht kategorisierbaren Ergebnissen. Diese Spannung prägt das künstlerische Schaffen. Worauf baue ich auf? Wo liegen meine Wurzeln? Was schaffe ich aus mir heraus? Was übernehme ich? Worauf verzichte ich? Wie kann ich erneuern?

Quelle: www.kunsthalle-mainz.de/de/ausstellungen/auf-den-schultern-von-giganten/

Notizen:

Beim Lösen der Eintrittskarte schlägt man mich einer Gruppe älterer Damen zu. Wir werden nach oben in den Turm begleitet und darauf hingewiesen, dass alles wissenswerte im Begleitheft steht. Die Gruppe interessiert sich aber für die Aussicht und erst dann für die fünf identischen Fotografien.

Ein Stockwerk tiefer werde ich aufgefordert, einen Spiegel in die Hand zu nehmen. Die Aufsicht zeigt mir, wie ich die in Spiegelschrift gezeigten Texte  in den kleinen Rahmen lesen kann. Die Texte klären mich auf über Spiegel, Selbstporträts und malende Frauen im 16. Jhdt. Das historische Selbstporträt einer Frau wird von einem Filmprojektor über einen Spiegel auf eine Leinwand projiziert. Zwölf Texte, zwölf Spiegel, zwölf Teilstücke des Porträts, erklärt mir die Aufsicht.

Im nächsten Raum bin ich alleine. Ein Video beleuchtet die Sitzbänke. Ich nehme Platz und beobachte die Bilder, den Ton und den Schnitt. Eine junge Band spielt in einem kargen Raum, der in einem osteuropäischen Bürgerhaus sein könnte. Es gibt kein Publikum. Später ist die Musik mit Aufnahmen von einer Stadt unterschnitten. Die Stadt ist Vilnius und das Video ein Geschenk an die Band, lese ich im Abspann. Ich schaue den Film nochmal von Anfang an, um alles gesehen zu haben.

Im  Erdgeschoss sprechen Steine mit projizierten Gesichtern und gepitchten Stimmen. Eine Treppe höher ist die Ausstellung in Schwarzweiß und Grau inszeniert. Ich lasse mich weiter locken: In vier verschiedenen Projektionen, etwa lebensgroß, bespuckt eine Frau einen Mann, der vielleicht ihr Sohn ist. Gegenüber gibt es zwei Videos My Father und My Father’s Journey von Cao Dan und Cao Fei über ihren Künstlervater. Gerne hätte ich mehr Zeit dafür, so kann ich nur einen Teil ansehen.

Ort: Kunsthalle Mainz
Dauer: 26.02.2016 bis 22.05.2016
Besuch: Barbara Christin
Datum: 12.05.2016
URL: www.kunsthalle-mainz.de