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Auszug aus: Die Notizen 1993 – 1996

In den Jahren 1993 – 1996 entstanden umfangreiche Notizen über den Umgang mit Bildern. Nach einer ersten Sichtung und Anordnung der Notizen nach Themenfeldern, ist dieser Auszug 1999 in einem Heft als Folge kurzer Notizen zusammengefasst.

Die Bilder sind immer als Bilder gedacht. Die anderen Bilder, alle Bilder sind immer dabei.

Bilder haben die anderen Bilder. Sie sind weder Vorläufer noch Assoziation(-smaterial). Die Bilder können nicht einzeln gedacht werden.

Die Bilder haben keine eigene Ordnung, sie sind kein geschlossenes System mit eigenen Gesetzen.

„Autonomie“ meint kein einzelnes Bild, sondern ein ganzes Regelwerk von Bildern ohne verbindliche Regeln.

Die Bilder sind Bilder. Sie haben Gesetze, die sich ständig ändern können.

Die Bilder spielen mit den Bildern. Die Bilder sind ungeeignet, sich zur Welt zu äußern. Sie sind Welt. Sie sind kein Kommentar, keine Interpretation zur Welt.

Bilder sind eine Formulierung, aber nicht von etwas.

Ich denke nicht über die Bilder. Die Bilder sind das Denken.

Den Bildvorstellungen mißtraue ich. Bilder müssen gemacht werden. Die Vorstellungen sind träge, oft kommentierend. Die Bilder sind keine Transposition von Gedanken. Bilder sind keine Politik. Man kann mit Bildern Politik machen.

Mich interessiert die mittelalterliche Abstraktion, die keine ist.

Die Bilder sind in jedem Fall untauglich als Abbildung, untauglich als Interpretation.

Wie bringe ich was untereinander ins Spiel. Es geht nicht mal darum, die Dinge in Einklang zu bringen.

Es hilft nicht, zwei Dinge nebeneinander zu stellen und auf ein Drittes zu hoffen. Es hilft auch nicht, die beiden Dinge so zu wählen, daß sie ein Drittes implizieren. Es geht nicht mal um ein Drittes, sondern um ein Vielerlei.

Das sind keine Wiederholungen. Zwangsläufig entsehen Serien, weil es keine Zwangsläufigkeit gibt.

Die Dinge sind nicht ohne einander. Die Wahl der zu konstituierenden Ordnung spielt mit der Art & Weise des zu Ordnenden. Die Ordnung bildet nicht ab, sie muß der Vorgang des Ordnens bleiben.

Das Ordnenwollen und -müssen ist eine Utopie (anderes Wort?) wie die Klarheit, existentiell (die Klarheit ist es wohl nicht).

Eine Ordnung zu finden ist schwierig, vielleicht, und das unter Umständen sogar glücklicherweise, unmöglich. Dieses Ordnungsproblem ist kein Mangel.

Das Sammeln ist weniger interessant als das Ordnen. Wobei sich beides kaum unterscheiden lässt.

Das interessante am Archiv ist, daß es eine Unordnung möglich macht, komplexer, als es ohne Archiv möglich wäre.

Häuserflut, Baumflut, Geräuschflut, Warenflut etc. Die Bilder sind keine fremden Bilder, man kann sie sich zueigen machen oder eben nicht. Die Bilder sind kein unveränderlicher Input.

Bei den Bilderflutschimpfern ärgert mich die Voraussetzung, daß die Naturdinge unmittelbarer, wahrer etc. seien, als die von irgendeiner Seite gedachten. Ein Werbespot ist nicht blöder als die Welt.

Die Bilder sind gleichzeitig. Alle Bilder sind gleichzeitig. Für wen? An welchem Ort? In welchem Zusammenhang?

Meine Frage ist nicht die Produktion von Bildern. So wie ich aufgehört habe in künstlerischen Medien zu denken, möchte ich gerne aufhören, überhaupt in Kunst zu denken.

Die Arbeitsweise schlägt sich auf den Alltag nieder und umgekehrt. Identität ist dabei die am wenigsten interessante Variante.

„Schöpfersubjekt“. Spannend wird es, wenn sich das Subjekt nicht mehr mit seiner Subjektivität beschäftigt.