Edmund Clark – Terror Incognitus – Zephyr Mannheim

zur Ausstellung:

Edmund Clark war der erste Künstler, der sich des Themas des Gefangenenlagers von Guantánamo vor Ort annahm. Er berichtete von der schier unglaublichen Existenz der sogenannten „Control Order Houses“ im Vereinigten Königreich und zuletzt unter dem Titel „Mountains of Majeed” aus der Welt eines Militärcamps in Afghanistan. Diese Serien werden teils vollständig, teils partiell, in der Mannheimer Ausstellung TERROR INCOGNITUS gezeigt.

Edmund Clarks aktuelle Arbeit behandelt ein düsteres Kapitel der jüngsten Vergangenheit: Mit „Negative Publicity. Artefacts of Extraordinary Rendition“ untersucht er das System der illegalen Entführung von Individuen durch den US-amerikanischen Geheimdienst und ihre Verbringung in sogenannte Black Sites. Diese waren bis Mitte der 2000er Jahre geheime und illegale Foltercamps, etwa in Rumänien oder Litauen, aber auch in Syrien, Libyen oder Guantánamo ließen die Geheimdienste die Entführten foltern. Zentrale Verteilstation für die notwendigen Flüge war Frankfurt am Main. Aus Dokumenten, Gerichtsprotokollen und Fotografien webt Clark ein komplexes Netz von Informationen, das uns hilft, die Dimensionen des Systems zu erahnen, und seine Folgen zu erkennen, unter denen die Welt bis heute leidet.

Quelle: http://zephyr-mannheim.com/clark-de/

Notizen:

Geschwärzte Texte, Emails, Faxe, Verhörprotokolle, Fotos von Hausansichten, von Flugzeugen, von Autos, von Hotelzimmern, von Firmen, von Militäreinrichtungen… Der Zusammenhang der Exponate lässt sich nicht erschließen. Der Eindruck von Dokumentation kommt zwar auch ohne Hintergrundinformation zustande, aber die Frage danach, was dokumentiert wird bleibt offen.

Wenn ich nicht ahnungslos auf Hausansichten schauen möchte, muss ich mich auf die Spielregeln einlassen und die Hintergrundinformation im Handbuch nachlesen. Alle Bilder und Dokumente haben Nummern, die auf Erläuterungen verweisen. Das ist aufwändig, aber besser als mich zwischen mir Unverständlichem auf die Dauer des Ausstellungsbesuchs zu langweilen.

Während ich mich durch die Themenfelder lese und schaue, eilt ein Besucher durch die Kojen. Von weitem sehe ich, wie der Mann etwas ins Gästebuch schreibt. Ich schaue nach: Putin freut sich über solche Ausstellungen von „Künstlern“. Die Ausstellung hat ihn offenbar provoziert. Bei der Gelegenheit frage ich mich, ob der Kontext Kunst zur Glaubwürdigkeit der Recherche beiträgt. Sind Wände überhaupt eine geeignete Plattform für eine umfangreiche Recherche wie diese?

Ort: Zephyr Mannheim
Dauer: 31.01.2016 bis 03.07.2016
Besuch: Barbara Christin
Datum: 21.04.2016
URL: zephyr-mannheim.com
URL: www.edmundclark.com
URL: www.artsy.net/artist/edmund-clark

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