FORT – Retired – LWL Museum Münster

zur Ausstellung:

Retired – ausgedient, abgestellt, zerschlissen, abgedankt. Diesen Eindruck vermitteln die einzelnen Objekte im Ausstellungsraum. Über dem Geländer eines Balkons hängt eine Decke zum Auslüften, in Reichweite lehnt ein Besen an der Wand als wäre er gerade benutzt und abgestellt worden. Spiel- und Haushaltsgeräte, die oftmals in großstädtischen Hinterhöfen und Siedlungen zu finden sind, ergänzen die Szene. An die Wand gelehnt oder samt Fundament mitten im Raum platziert, scheinen sie vollständig von ihrem ursprünglichen Ort entfernt worden zu sein, geradewegs entwurzelt, ohne dingliche Spuren zu hinterlassen. Losgelöst von ihrem Funktionszusammenhang sind alle Elemente unbrauchbar geworden. Ihre Zeit ist vorbei. Hier spielt niemand mehr oder besorgt seinen Haushalt.

Quelle: www.lwl.org/LWL/Kultur/museumkunstkultur/ausstellungen/cremer-preis-fort-retired

Notizen:

An der Wand lehnen zwei Pfosten, die in gegossenen Betonklumpen stecken. Die Betonklumpen waren die Verankerung im Boden für das, was eine Halterung für eine Wäscheleine war. Die Pfosten haben oben eine Querstange mit Haken, um die Wäscheleine parallel mehrfach verspannen zu können. Die Pfosten sind in einem dunklen Lindgrün gestrichen, das überall ein wenig abblättert.

Wie die Pfosten im Museum an der Wand lehnen, zeigen sie sich mir sowohl als Skulptur als auch als ehemaliger Gebrauchsgegenstand. Gefunden und nicht gemacht haben sie eine formale Logik, die aus der ehemaligen Nutzung kommt. Außerdem ist ein Zeitgeschmack zu erkennen. Aus Farbe, Proportion und Machart tippe ich auf frühe sechziger Jahre.

Bei einem Zirkusbesuch habe ich Objekte gesehen, die mich mit rätselhaften Formen und absurden Materialien fasziniert haben. Die Logik der Objekte wurde klar, wenn sie in der Nummer benutzt wurden. Die glitzernden Oberflächen tragen zur Inszenierung bei, aber die Form liegt in der Nutzung durch die Artisten oder durch Tiere bei einer Dressurnummer. Weil Zirkus nicht alltäglich ist, sind die Utensilien ohne die Aufführung nicht als nützlich erkennbar.

Ein Ding ohne Nutzung ist ein formales Objekt, das für einen Betrachter nur in eigenen Assoziationen und Erinnerungen eingeordnet und interpretiert werden kann. Gelingt die Einordnung nicht, sind Experimente ein möglicher Weg zur Nutzung und damit zum Nachvollziehen der Form.

Ort: LWL – Museum für Kunst und Kultur Münster
Dauer: 29.01.2016 bis 05.06.2016
Besuch: Barbara Christin
mit: Kerstin, Bert
Datum: 13.02.2016
URL: www.lwl.org
URL: www.fortcollective.com/