Fritz Schwegler – Kunsthalle Mannheim

zur Ausstellung:

Schweglers gattungssprengende Einfälle, Erfindungen und Kombinationen, die er nur zögernd Kunst nannte, fanden in keiner Schublade Platz. Sein vielfältiges Werk, das im Alltag wurzelt und doch immer über ihn hinausweist, beginnt mit dem Schwarzen Archiv und starkfarbigen Holzmodellen, führt über die bedeutsame Performance- und Konzeptphase der 1970/80er Jahre, die Sprache und Leinwand erobert, und kehrt schließlich 1990 zur Skulptur zurück, zu Bronze und Wachs, in denen Wort und Bild zusammenfinden. Diesen einzigartigen Kosmos entwickelte Schwegler aus einer Quelle, den Urnotizen. Aus diesem Schatz blitzartig notierter Skizzen leitete er von 1962 bis zu seinem Tod immer wieder neue, überraschende Werke ab.

Quelle: http://www.kunsthalle-mannheim.de/de/aktuelle-ausstellungen/Fritz_Schwegler

Notizen:

Im Flur zwischen Garderobe und Ausstellung hängt eine Pinnwand mit Artikeln zu Fritz Schwegler und zur Ausstellung in Mannheim. Ein längerer Artikel in „Die Zeit“ beschreibt sein Wirken als Lehrer. Für dieses Wirken hat Fritz Schwegler bislang die meiste Anerkennung. Auf dem Kunstmarkt erfolgreiche Schüler sprechen dafür.

Wie ich ihn erlebt habe, hat er als Lehrer vor allem dadurch gewirkt, dass er Bedingungen schuf, eingemischt hat er sich nie. Der Auftrag war, zu arbeiten und miteinander im Austausch zu sein. Deshalb hielt er uns an, jeden Tag im Atelier an der Kunstakademie zu arbeiten. Das haben wir gemacht. Er selbst arbeitete auch jeden Tag in seinem Atelier ein Stockwerk tiefer. Ansprechbar war er immer. Wenn man ins Atelier kam, gab es Trockenobst und Schnaps.

Fritz Schweglers kleine Arbeiten waren je nach Projekt und Ausstellung im Atelier präsent. Die Notwandlungsstücke, kleine, bemalte Bronzen, gehörten zu unserem Alltag in der ersten Hälfte der 90er Jahre. Jetzt sehe ich mir die Arbeiten im Museum an. Ich bin die einzige Besucherin. Der erste Raum mit Sockeln und Plexiglashauben unter denen die Arbeiten aufgestellt sind, wirkt mit den situierenden Fotos von Barbara Klemm wie eine Grabkammer auf mich.

Bei einem Besuch in Breech, wo Fritz Schwegler lebte und arbeitete, äußerte er Zweifel an den Sockeln. Er war sich nicht sicher, ob das die geeignete Präsentation für das schwarze Archiv ist. Seine Zweifel waren berechtigt. Sockel im Museum sind kein Zeichen alltäglichen Arbeitens. Das alltägliche Arbeiten am Archiv aber kann im Museum präsentiert werden. Die Ausstellung war eine Begegnung mit Vertrautem. Eine Retrospektive für Fritz Schwegler.

Ort: Kunsthalle Mannheim
Dauer: 11.11.2016 bis 08.01.2017
Besuch: Barbara Christin
Datum: 02.12.2016
URL: www.kunsthalle-mannheim.de

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