Garten der irdischen Freuden – John Cage, Uriel Orlow u. a. – Berlin

Zur Ausstellung:

Garten der irdischen Freuden verspricht Sinnlichkeit: Pflanzen, Wasser, Licht und kühlenden Schatten. Menschenfreuden in einem Paradiesgarten. Der Garten der Lüste nach Hieronymus Bosch, der Referenz für die Ausstellung ist, beherbergt neben Mensch und Grün auch Tiere und Merkwürdigkeiten. Überhaupt: Lüste sind leidenschaftlicher als Freuden.

Verschiedene Aspekte von Garten kommen in der Ausstellung zusammen. Neben der Sinnlichkeit und dem Begehren spielen auch Politik, Religion, Wissenschaft und Ökonomie eine Rolle. Garten ist kein Paradies. Begehren und Machtverhältnisse zeitigen Folgen. Garten als Metapher für Herrschaft und Status steht Garten als Experiment und Bild gegenüber. Die Ausstellung ist ein sinnliches und intellektuelles Vergnügen in der Zusammenstellung verschiedener Arbeiten.

mehr: www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/bfs-gesamtprogramm/programmdetail_274528.html

Notizen:

Where R = Ryoanji, von John Cage 1983 begonnen und lebenslang bis 1992 weitergeführt, sind nach Regeln des Zufalls angefertigte Zeichnungen, die als Partitur für die musikalische Aufführung dienen. Cage stellt die Regeln auf, gibt die Kontrolle mit dem I Ging an den Zufall ab und nutzt dann mit den Zeichnungen auf Japanpapier mit Bleistiften verschiedener Härte die Eigenheiten des Materials und die Koordination von Auge und Hand. Die aus den Partituren entwickelte Musik wird in der Ausstellung zugespielt.

Uriel Orlow kompiliert in Theatrum Botanicum 2015-2018 Drucke, Fotos, Videos, Sound, Vintage Postkarten mit Geranienmotiven zum Mitnehmen und eine Installation um die Strelitzie. Die Arbeiten sind in einem Rack in der Raummitte und drum herum organisiert. Von der Strelitzie (benannt nach der Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, im 18. Jhdt Königin in England) wird ein Samenkorn in der gelben Züchtung Mandela’s Gold (benannt nach Nelsen Mandela, Kämpfer gegen die Apartheit) unter einer Lupe gezeigt. Auf einer Fotografie daneben ist eine Blüte der Strelitzie zusehen, die mit Kaninchendraht vor gefräßigen grauen Eichhörnchen geschützt wird, die im 19. Jahrhundert nach Afrika kamen. Cecil Rhodes (Kolonialist und Namensgeber für Rhodesien, heute Simbabwe) brachte die eigentlich aus Nordamerika stammenden Grauhörnchen aus Großbritannien mit. Den Austausch von Pflanzen (die Geranie stammt aus Südafrika) zeigt Theatrum Botanicum als Machtgefälle: Die Soundinstallation nennt einheimische Namen in verschiedenen afrikanischen Sprachen für die Pflanzen.

Ort: Gropius Bau, Berlin
Dauer: 26.07.2019 bis 01.12.2019
Besuch: Barbara Christin
Datum: 11.10.2019
URL: www.gropiusbau.de