Güllenstern Stollhans – Afrikahafenfest – Köln

zur Ausstellung:

In ihrer neuen Ausstellung nutzen Peter Güllenstern und Jürgen Stollhans die Formen des nicht-narrativen Spielfilms und der Collage, um den Mülheimer Hafen von Köln als Mikrokosmos urbaner Transformation zu erkunden. Diesen Mikrokosmos durchstreift die fiktive Figur des Lucius Okeh, dessen symbolische Handlungen darauf hindeuten, dass er womöglich der Auslöser neuer urbaner Kolonisierungen sein könnte. Das Nebeneinander von Modernismus und kolonialer Repräsentation hat den Mülheimer Hafen schon früher stark geprägt: Die berühmte Werkbund-Ausstellung von 1914 präsentierte in einer Völkerschau ein kongolesisches Dorf, und die Pressa-Ausstellung von 1928 zeigte eine „koloniale Sonderschau“ gleich neben dem sowjetischen Pavillon von El Lissitsky, dessen horizontales Wolkenkratzerkonzept später im Zuge der neoliberalen Neuentwicklung des benachbarten Hafengebietes vereinnahmt wurde. Diese geschichtlichen Zusammenhänge untersuchen Güllenstern und Stollhans in ihren pseudo-dokumentarischen DIY-Infografiken.

Quelle: https://www.academycologne.org/de/article/872_afrikahafenfest

Notizen:

Im vorderen Ausstellungsraum gibt es eine Grafik von einer Planstadt mit lateinischer Bezeichnung und einen reduzierten Plan von Köln mit angepinnten Bildern. Im hinteren Ausstellungsraum projizieren sechs Beamer Videos mit historischen und zeitgenössischen Einstellungen: Zwei Projektionen nebeneinander auf einer Wand und eine gegenüber, um die Ecke drei Projektionen an den drei Wänden in einer Raumnische.

Was hat es mit dem Modell von einem Kuppelbau auf sich, das in eine Transportkiste verpackt wird? Was mit den Afrikanern, die in Baströcke gekleidet vor einer Hütte posieren? Was mit dem pyramidenförmigen Blinklicht mit Antenne auf einem Torpfosten, gefolgt von einer Infografik in Pyramidenform? Was mit den Leuten, die an Laternenmasten lauschen? Rote Dixie-Klos dicht an dicht, römische Legionärsdarsteller, eine Tafel Schokolade mit einem Flugzeug vom gleichen Typ auf dem Einwickelpapier, wie die Flugzeuge in einer Montage mit ungezählten gestaffelten Flugzeugen.

In den sechs Projektionen treffen die Einstellungen in verschiedenen Kombinationen aufeinander. Langsam wird klar, dass es um Deutz, den Mülheimer Hafen, Köln, Vergangenheit und Stadtplanung geht. Zur Werkbund-Ausstellung von 1914 gehören der Kuppelbau und die Afrikaner, die roten Dixie-Klos, abgestellt auf der rechten Rheinseite erinnern an die Schildkröte römischer Legionäre. Schokolade und Kolonialismus, der Zoo und Grzimek, die Rückseite von Köln und Flächennutzung.

Ort: Akademie der Künste der Welt, Köln
Dauer: 18.03.2016 bis 24.06.2016
Besuch: Barbara Christin
mit: Gitte, Heike, Jürgen
Datum: 10.04.2016
URL: www.academycologne.org
wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Stollhans