Heike Weber – park – Kunstverein Ludwigshafen

zur Ausstellung:

Während die Künstlerin formale Elemente des türkischen „kilims“ wie z. B. Rosette, Bordüre oder die symmetrische Anordnung einfließen lässt und mit der orientalischen Ornamentik spielt, entlädt sie diese gleichzeitig bewußt ihrer Symbolik, indem sie eigene gestisch entstehende Lineaturen setzt. Heike Weber benutzt weißes Bädersilikon, das sie direkt aus der Kartusche spritzt und in einer einzigen Linie äußerst filigrane, zerbrechlich wirkende Lineaturen zeichnet. Die Teppiche sind ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, sie sind nicht betretbar, bestehen mehr aus Freiflächen als dass die Lineatur den Boden bedeckt. Deutlich heben sich die strahlend weißen Fäden des Silikons vom schwarzem Steinboden der Ausstellungshalle ab; die ursprünglich billige Massenware Silikon wird durch die virtuose Zeichnung reich verschlungener ornamentaler und floraler Muster erhöht.

Quelle: http://www.kunstverein-ludwigshafen.de/2zu.html

Notizen:

Der Raum ist groß und still. Die Oberlichter der Halle und die Deckenkonstruktion spiegeln sich im dunklen Terrazzoboden. Die kilims von Heike Weber, zimmergroß, liegen als feine Zeichnungen einer neben dem anderen auf dem Hallenboden. Der Raum braucht Zeit. Ich muss mich entscheiden, wo ich lang gehe. Ich habe schon kilim gesehen, aber noch nie alle zusammen.

Von weitem betrachtet, folgen die kilim der Ordnung von Teppichen. Es gibt einen ornamentalen Rand, der sich von den Ecken zur Mitte entwickelt, wo ein Motiv das Zentrum markiert. Die kilim liegen auf dem Boden und haben aber außer der Zeichnung aus Silikon kein Material. Der Boden zwischen den Linien ist Hintergrund und damit bei jedem Zeigen anders.

Im Vergleich zur Leichtigkeit, mit der ein kilim als ganzer im Raum liegt, sind die Silikonspuren deutlich ein Material. In der Bewegung gezeichnet, häufen sich die Spuren, rund und wulstig wie sie aus der Kartusche kommen, in den akzentuierenden Motiven an. Jedes Details ist einzeln und überraschend, wenn der Blick vom gesamten kilim auf einzelne Motive und Motivreihen konzentriert ist.

Beim Machen fangen die kilim irgendwo an und wachsen weiter bis aus den vielen kleinen Erfindungen ein Ganzes wird. Die Ornamentik variiert in den einzelnen Motiven Ähnlichkeiten als Erinnerungen an bereits Gezeichnetes.

Ort: Kunstverein Ludwigshafen
Dauer: 17.05.2014 bis 06.07.2014
Besuch: Barbara Christin
Datum: 26.06.2014
URL: www.kunstverein-ludwigshafen.de
URL: www.heikeweber.net