Ich – Schirn Kunsthalle Frankfurt

zur Ausstellung:

Das traditionelle Selbstporträt ist heute Geschichte. Früher malte sich nur der Künstler vor dem Spiegel. Im Facebook-Zeitalter ist die Selbstdarstellung zum Tool für jedermann geworden. Wir leben in radikal egozentrischen Zeiten. Unsere Gesichter wandern Tag für Tag in ein gigantisches digitales Bildarchiv. Was haben die Künstler dem entgegenzusetzen? Günther Förg schreitet kopflos eine Treppe hinab, Wolfgang Tillmans zeigt nur sein Knie, Pawel Althamer seine Kleider, Michael Sailstorfer formt seinen Namen in großen Lettern, und Sarah Lucas tritt dem Betrachter beinahe ins Gesicht, während Florian Meisenberg ihn per Smartphone-Livestream an seinem Leben teilhaben lässt. Ironisch, spielerisch und dekonstruktiv – Künstlerinnen und Künstler halten uns nicht länger ihr Gesicht vor Augen, wie es früher üblich war. Sie lassen die Selbstenthüllung hinter sich und entziehen sich unserem Blick, sie gehen Umwege und auf Distanz zum eigenen Ich. In einer Themenausstellung mit etwa 40 Positionen folgt die SCHIRN diesen Bilderstürmern auf ihrer Suche nach einer zeitgemäßen Form der Selbstdarstellung – darunter mit Arbeiten von Abraham Cruzvillegas, Ryan Gander, Alicja Kwade, Jonathan Monk und Rosemarie Trockel. Das Ich wird experimentell evakuiert. Es kommt nur noch zu flüchtigen Begegnungen.

Quelle: http://www.schirn.de/ausstellungen/2016/ich/

Notizen:

Um die Ausstellung zu sehen, konnte ich genau einen Termin einrichten, den Wäldchestag. Um über die Ausstellung zu notieren, habe ich sechs Wochen gebraucht, weil die Leerstelle zwischen den gezeigten vierzig Positionen groß ist, ähnlich groß wie bei einer Google Bildsuche.
Zu sehen sind sowohl aktuelle Positionen als auch durch langjährige Ausstellungspraxis beglaubigte. Mit dem Kontext Social Media und Inflation der Selbstdarstellung haben die wenigsten zu tun. Die egozentrischen Zeiten, die im Pressetext genannt werden, sind eher ein gedanklicher Einstieg für Besucher als die Einleitung zur Frage: Was haben Künstler dem entgegenzusetzen?
Nicht jeder mag sich zeigen, nicht jeder untersucht sein Gesicht, nicht jede Kunst bildet ab und eine Zeigung muss keine Selbstdarstellung sein, sondern kann schlicht Geheimnislosigkeit dokumentieren. Die indirekten Selbstdarstellungen und Selbstbetrachtungen in der Ausstellung sind vor allem eine Aufzählung aus Jahrzehnten der Kunstpraxis.
Die Fotografien von Jun Ahn, Füße, die über einem Hochhausabgrund baumeln und ein über den Abgrund geneigter Oberkörper, die haben mich beeindruckt.

Ort: Schirn Kunsthalle Frankfurt
Dauer: 10.03.2016 bis 29.05.2016
Besuch: Barbara Christin
mit: Jonathan, Jens
Datum: 17.05.2016
URL: www.schirn.de

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