Jon Rafman – Kunstverein Münster

zur Ausstellung:

Virtuelle Welten, Popkultur-Ephemera und Werbemedien wecken bislang unentdeckte Begierden und prägen unsere gesamte Identität. In den äußerst eindringlichen und oftmals beunruhigenden Videos und Installationen liegen Humor und Melancholie nah beieinander, wenn Rafman eine ganz neuartige Form von Einsamkeit und Entfremdung als überindividuellen zeitgenössischen Gemütszustand konstatiert.

Neben Skulpturen präsentiert der Kunstverein in dieser ersten institutionellen Einzelausstellung Jon Rafmans in Deutschland vor allem seine Videoarbeiten, die in eigens für sie angefertigten installativen Situationen gezeigt werden, sowie sein neuestes Video „Sticky Drama“, eine Kooperation mit Daniel Lopatin. Inspiriert von der Ästhetik sogenannter Live-Action-Rollenspiele, reflektiert das Video die lebendige und häufig verstörende Welt kindlicher Spiele und Vorstellungswelten und vertieft zugleich Rafmans Auseinandersetzung mit Erinnerung und dem Horror vor Datenverlust.

Quelle: www.westfaelischer-kunstverein.de/ausstellungen/jon-rafman/

Notizen:

Zu Beginn des Ausstellungsbesuchs bekomme ich eine Einführung darüber, dass Inhalte verstörend sein könnten und ich die Schuhe ausziehen soll, wenn ich die Installationen benutze. Zwei junge Männer sind schon in der Ausstellung und haben ihre Schuhe neben einem Bällebecken mit zwei Videoscreens stehen lassen. Ich schaukle eine Weile vor einer Videoprojektion und entdecke dann, dass die Schaukel sich drehen lässt. Ich schaukle den Ausstellungsraum ab. Im Zwielicht, mitten im Raum, steht das Bällebecken, dahinter ein Wasserbett mit verkleidetem Kopfende und daneben eine Polsterbank mit Monitoren davor. Da sitzen die beiden jungen Männer. Ich schaukle und sehe dem Beamer zu. Zu schaukeln gefällt mir. Die beiden jungen Männer gehen vorbei und steigen in einen verspiegelten Schrank. Das nehme ich zum Anlass, das Wasserbett auszuprobieren. Schuhe aus, hinlegen und den Kopf unter den Kasten. Im Kasten ist ein Screen mit einem Video von einem überfüllten Schwimmbad in China zu sehen. Auf dem Wasserbett schaukeln und anderen beim Planschen zusehen. Auf der Polsterbank sitze ich eingeschlossen zwischen Wulsten, die die Sitzfläche begrenzen. Die Screens zeigen Anime beim Ficken und menschliche Plüschfiguren beim Bondage. Das werden die verstörenden Inhalte sein. Ich gehe zum Schrank, in dem die jungen Männer schon so lange verschwunden sind, dass ich ihn für einen Durchgang halte. Tatsächlich sitzen die beiden immer noch drin und schauen ein Video an. Ich entschuldige mich für die Störung.

Ort: Westfälischer Kunstverein, Münster
Dauer: 06.02.2016 bis 01.05.2016
Besuch: Barbara Christin
Datum: 13.02.2016
URL: www.westfaelischer-kunstverein.de
URL: www.jonrafman.com/