Lena Henke – My Fetish Years – Siegen

Zur Ausstellung:

Die Raumfolgen im Museum sind klar strukturiert und geben mit mittlerer Größe den Arbeiten von Lena Henke ein Umfeld, das mit Durchblicken und Übergängen klug inszeniert ist. Einzelne Skulpturen und Skulpturengruppen, teilweise kombiniert mit Großdrucken als Wandtapete schaffen Situationen, in denen die Betrachtung der einzelnen Formerfindungen durch Entdeckungen in der Gruppierung erweitert werden.

Die Arbeiten sind unterschiedlich im Material und zeigen die Neugier beim Machen über den Zeitraum künstlerischer Arbeit, die hier präsentiert wird. Kleine Skulpturen von tändelnden Frauen in regalähnlichen Sockelbauten, Formerfindungen wie der schlafende Elefant, der auf dem Boden liegend auch eine Studie für eine Serienproduktion sein könnte und Brüste aus Sand, geformt mit einem Negativ, das mit Gummibändern umspannt an einer Wand in Sichtweite hängt, schlagen einen Bogen von der Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen bis zur Befragung von Skulptur und Raum.

mehr: www.mgk-siegen.de/deu/ausstellungen-und-sammlung/ausstellungen/lena-henke-my-fetish-years/lena-henke-my-fetish-years.html

Notizen:

Der Besuch der Ausstellung beginnt mit der Entscheidung erst nach links oder erst nach rechts zu gehen. Ich entscheide mich für den Wegs nach rechts über einige Stufen nach unten in die Flucht von zwei Räumen. Bahnen aus Dachpappe, verlegt durch die Türöffnungen in der Breite beider Räume, halten mich auf. Betreten erlaubt, erwünscht, gestattet? Die erste Bahn definiert eine Bühne für eine gelbe Skulptur, die Landschaftsmodell sein kann, Architektur oder Prototyp. Dahinter eine zweite Bahn aus Dachpappe und an der Wand ein Großdruck mit einer violetten Schweineskulptur, die im Gegensatz zur Gelben naturalistisch ist. Das Schwein trägt Zitzen. Im Nebenraum ist die Dachpappe über die Wand bis zur Decke geführt. Zwei annährend raumhohe Bögen, schmale, prallgefüllte Textilschläuche, stehen mitten im Raum mit jeweils zwei Hufen auf dem Boden. Die Hufe gehen aber nicht mit Fesseln direkt in den schmalen Bogen über, sondern erst in comicähnliche High Heels ohne Absatz. Huf, Fortsatz und ein Teil des Bogens sind braun. Oben, in der Mitte des Bogens ist der Schlauch weiß. Die Assoziation an Reitstiefel und Reithosen liegt nahe, Beine ohne Körper, mit Gurten an der Decke befestigt. Auch in anderen Arbeiten spielt Lena Henke mit Körper und Darstellung von Körper. Aber auch Architektur, Kunst und Design sind Thema, manchmal als Installation, manchmal einfach in der Nutzung der Räume, der Durch- und Ausblicke. Mit scheinbar amerikanischen Straßenschildern im Umfeld des Museums reicht die Ausstellung bis in den Stadtraum.

Ort: Museum für Gegenwartskunst, Siegen
Dauer: 27.09.2019 bis 26.01.2020
Besuch: Barbara Christin
Datum: 19.11.2019
URL: www.mgk-siegen.de