Martin Riches – Two Measures of Time – Saarbrücken

zur Ausstellung:

Martin Riches (*1942 auf der Isle of Wight/England) lebt seit 1969 in Berlin. Nach einem Architekturstudium in London arbeitete er zunächst als Architekt und dann, ab 1978, ausschließlich als freischaffender Künstler. Seitdem entwickelt er interaktive Installationen, kinetische Objekte und Musikmaschinen. Riches‘ Musikmaschinen, wie die The Flute Playing Machine (1979-82) inspirierten zahlreiche Komponisten Stücke für sie zu schreiben. Mit der Talking Machine (1989-91) entwickelte er den ersten akustisch-mechanischen Sprach-Synthesizer.

Quelle: www.stadtgalerie.de/ausstellungen

Notizen:

Zu allererst fallen orangerote schmale Rechteckflächen auf Stativen auf, die dem langen Raum folgend hintereinander aufgestellt sind. Die Flächen drehen sich auf den Stativen, verlieren den synchronen Anfang – wie Blinklichter, deren Blinken langsam auseinanderläuft – dann hält die Bewegung an und beginnt wieder von neuem. Eine ähnliche, aber deutlich größere rote Fläche hatte im Eingangsbereich gestanden. In den Fensternischen gegenüber gibt es eine kleine Werkschau mit Walking-Machines, einer Clicking-Machine, einer hölzernen Pendeluhr, einem Bühnenbildentwurf und einem Code Rätsel. Die Walking-Machines, Konstruktionen aus Metallstäben und Zahnrädern, angetrieben von Motoren, bewegen sich leider nicht. Aber es gibt ein Video, das die Maschinen in Bewegung zeigt. Einige Klangmaschinen im nächsten Raum führt Martin Riches selbst vor. Er beginnt mit der Singing-Machine. Die Singing-Machine ist ein mit einem beweglichen Holzdeckel abgeschlossener Glaszylinder, in dem ein Klarinettenblättchen und ein beweglicher Stempel montiert sind. Die Maschine kann mit Luft und computergesteuert Vokale singen. Der komplexere MotorMouth mit mechanisch nachempfunden Elementen des menschlichen Stimmapparats kann sogar einzelne Sätze sprechen. Die Maschinen könnten als Idee aus dem Barock stammen. Tatsächlich ist die nächste Apparatur der Nachbau einer Serinette, einer Drehorgel, wie sie im 18. Jahrhundert verwendet wurde, um Kanarienvögeln das Singen von Melodien beizubringen. Bei der historischen Version wurde eine Walze verwendet, hier sind die Melodieteile auf Streifen mit Erhebungen gespeichert, die beim Transport durch die Serinette die Luftzufuhr für die Pfeifen steuern. Für die vier singenden Maschinen, an denen Riches arbeitet, ist leider keine Zeit mehr.

Ort: Stadtgalerie Saarbrücken
Dauer: 16.09.2016 bis 08.01.2017
Besuch: Barbara Christin
mit: Jürgen, Henrik
Datum: 05.01.2017
URL: www.stadtgalerie.de
URL: www.martinriches.de