Reisen – Zeichnungen 2014

Auf den Karten sind Reisen und Aufenthalte in Europa und Deutschland markiert. Die Karten visualisieren ein individuelles Bewegungsprofil als Relikt eines performativen Raums.

Wer reist, beschreibt Linien und Bewegungsmuster, sammelt Eindrücke, ordnet sie ein, formuliert mit seiner Tätigkeit als Reisender einen performativen Raum und konstruiert in der Erinnerung eine Vorstellung von Raum. Der zurückgelegte Weg kann gemessen und als Linie nachvollzogen werden, der performative Raum dagegen ist nur in der Tätigkeit formuliert. Jede denkbare Visualisierung des performativen Raums ist notwendig Notation in einem anderen Medium als dem der Tätigkeit selbst. Reisebeschreibungen und Bilder von unterwegs können Beobachtungen und Eindrücke formulieren, sind damit ein Angebot zur Kommunikation, aber nie Abbildung der während der Reise entwickelten Vorstellung von Raum.

reisen-europa_barbara-christin
Europakarte, Maßstab 1 : 4.000.000

reisen-deutschland_barbara-christin
Deutschlandkarte, Maßstab 1 : 700.000

Die Sammlung von Daten, die eine Reise markieren, egal ob durch den Reisenden selbst oder durch eine andere Stelle erhoben, ist bis zur Auswertung im Hinblick auf die Absicht einer Beobachtung, ohne Aussage. Erst die Verknüpfung von Handlung und Absicht kann in der Interpretation zu einer Aussage werden. Der Reisende selbst konstruiert durch seine Tätigkeit und die Verknüpfung von Information einen subjektiven Vorstellungsraum, der nur bedingt kommuniziert werden kann. Entfernungen zwischen Orten, detaillierte Kenntnis von Plätzen, Befinden während des Aufenthalts und Transportmittel sind Parameter für die Vorstellung. Daten wie der Reiseweg, die Reisedauer, Aufenthalte und Begegnungen können zwar erhoben werden, bleiben aber Marginalien zum Vorstellungsraum.