Rémy Zaugg – Eine Frage der Wahrnehmung – Museum für Gegenwartskunst Siegen

zur Ausstellung:

Für Rémy Zaugg hat die Kunst keinen Zweck an sich, sondern sie hilft dem Menschen, sich in der Welt zu orientieren und die Welt zu gestalten. Es ist nicht nur das Sehen, sondern die Wahrnehmung mit allen Sinnen, die hier gefragt ist. Nur durch die Wahrnehmung und in der ständigen Auseinandersetzung mit ihren stets neuen Bedingungen entsteht das künstlerische Werk, das ohne die Welt nicht existieren kann, aber auch die Welt erst hervorbringt. […] Für den im französischsprachigen Schweizer Jura geborenen Künstler galt die Malerei stets als eine Art Grundlagenforschung für die ‚angewandten‘ Projekte, ob nun in der Architektur, in der Urbanistik oder in der Konzeption von Ausstellungen. Entsprechend zeigt die Ausstellung in erster Linie Bilder – Malerei und Siebdruck – aber auch das monumentale Zeichnungswerk „Die perzeptiven Skizzen eines Bildes“– sowie zwei Videoarbeiten und zwei städtebauliche Projekte; letztere entstanden in Zusammenarbeit mit den bekannten Schweizer Architekten Herzog & de Meuron.

Quelle: www.mgk-siegen.de/deu/ausstellungen-und-sammlung/ausstellungen/rmy-zaugg/rmy-zaugg.html

Notizen:

Rémy Zauggs Analyse von Cézannes Bild „Das Haus des Gehenkten“ fällt durch die extrem kleine Handschrift auf. Zaugg hätte die Beschreibung des Bildes nach Farben, Positionen etc. auch auf größeren Papierformaten vornehmen können. Das hat er aber nicht. Deshalb wird mit jeder zusätzlichen Ebene in der Analyse die Handschrift kleiner.

Die Präzision im Kleinen gilt auch für alle anderen Exponate in der Ausstellung. Im Hinblick auf die benötigte Zeit für solche Präzision ist unbedingtes Wollen Voraussetzung. Warum sonst sollte jemand Buchstaben malen, die aussehen wie gedruckt? Nur mit dem Pinsel war das Problem lösbar. Also gab es nur diesen Weg oder keinen. Zaugg hat sich die Zeit genommen.

Etwas ökonomischer erscheinen die Aluminiumtafeln mit im Siebdruckverfahren aufgebrachten Texten. Aber die Präzision in der Ausführung lässt auch hier vermuten, dass zwei Arbeitsschritte wie Lackieren und Drucken nicht ausreichen, um Zauggs Formulierungswunsch über die aufgebrachten Texte hinaus für die Bilder zu erfüllen.

Ohne die Präzision mit der Zaugg gearbeitet hat, wären die Bilder Thesen. So wie sie sind, zwingen sie, die Kontinuität von Zauggs Haltung zu respektieren.

Ort: Museum für Gegenwartskunst, Siegen
Dauer: 01.11.2015 bis 06.03.2016
Besuch: Barbara Christin
mit: Jürgen
Datum: 29.02.2016
URL: www.mgk-siegen.de
Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Remy_Zaugg