Solid Liquids – Kunsthalle Münster

zur Ausstellung:

In einer digitalisierten Gegenwart, die in der Verwirbelung von Zeit- und Raumebenen zwar schier unendliche Möglichkeiten, aber kaum lebensweltliche Orientierung bietet, riskieren die „Solid Liquids“ Zeit und Raum anzuhalten und emotional ins Verhältnis zu setzen, zur eigenen Lebens-/Erfahrungszeit. Statt globalen Deutungsmodellen nachzuspüren, sind sie von individuellen Bedürfnissen geleitet und umfließen einen Kern, der wie ein blinder Fleck für sie jedoch unzugänglich scheint, so dass sie sich affektiv an die Außenwelt richten: “Sag du mir, wer oder was ich bin.“ Auch die in der Kunsthalle Münster gezeigten Arbeiten laden ihre Betrachter ein, konzentriert zu tieferen Schichten vorzudringen. Aber dort, wo das Material Ein- und Durchsichten gewährt, finden sich womöglich nur weitere Oberflächen. In ihren überraschend komplexen, nicht linearen Anordnungen ziehen diese den Blick in ein atemberaubend sinnliches Labyrinth und lassen darin den Verstand taumeln – nicht zuletzt um das menschliche Begehren sich selbst zu erkennen, unabhängig davon, wie andere einen sehen.

Quelle: Flyer zur Ausstellung „Solid Liquids“, kuratiert von Gail Kirkpatrick und Marcus Lütkemeyer

Notizen:

Nach dem Weg durch das Treppenhaus mit auf den Stockwerken abweichenden Absätzen erscheint die letzte schmale Treppe zum Empfangstresen der Kunsthalle als Belohnung. Die zweite Belohnung nach der Treppe und einem schmalen Durchgang sind die ersten Schritte in die Ausstellungshalle.

„Solid Liquids“ zeigt mit einzelne Exponaten programmatisch „Internationale Tendenzen der Skulptur in der Gegenwart“. Skulptur kann Vielerlei und Verschiedenes sein, bis hin zu Rauminstallation und Performance. Die Vielfalt hier in der Ausstellung zeigt Objekte von zehn Künstlerinnen und Künstlern. Jedes Objekt ist in Material formuliert und als Ding da.

Mich überrascht der Materialaufwand, der betrieben wird, um das Ding und die Anspielungen zu formulieren. Gemachtes und Gebautes. Aber manches lässt sich nur beim Machen finden, weil sich in der Handhabung des Materials erst Möglichkeiten für Formulierungen finden. Andererseits kann Material auch wie eine Vokabel vorsätzlich gewählt werden. Dann lässt die Vokabel einen Kontext aufscheinen und bestimmt den weiteren Sprechfluss.

Bei aller Sinnlichkeit der Skulpturen sind die Exponate zunächst einzeln. Sie organisieren sich jedoch  beim Ausstellungsrundgang durch den Spaß an Verweisen und die Lust am Material.

Ort: Kunsthalle Münster
Dauer: 11.06.2016 bis 25.09.2016
Besuch: Barbara Christin
mit: Jürgen, Henrik
Datum: 26.06.2016
URL: www.kunsthalle.muenster.de