Song Dong – Retrospektive – Kunsthalle Düsseldorf

zur Ausstellung:

SONG Dong zählt zu den bekanntesten international agierenden Künstlern Chinas und gilt seit den 1990er-Jahren als einer der wichtigsten Vertreter chinesischer Konzeptkunst. Seine künstlerische Praxis vereint eine Vielzahl von Medien und experimentellen Arbeitsweisen.

Basierend auf biografischen Erlebnissen thematisiert er, wie sich kulturelle und geschichtliche Ereignisse sowie wirtschaftliche und politische Umstände konstitutiv auf das individuelle Leben auswirken. Seine Werke zeichnen sich durch eine ausdrucksstarke Bildsprache aus, die auf feinsinnige Weise diffizile Lebenssituationen konkret beschreibt. Indem der Künstler stets einen persönlichen Zugang wählt, bietet er den Betrachtern die Möglichkeit zur Identifikation.

Quelle: http://www.kunsthalle-duesseldorf.de/index.php?id=376

Notizen:

Die uniformierten Figuren im Foyer, aufgestellt in regelmäßigen Abständen am Raum entlang, schaffen eine Situation wie Beaufsichtigung durch Museumspersonal oder Polizei. Neben der Treppe nach oben steht eine Kabine aus Glastüren mit Bett und einem toten Baum, der durch das Bett gewachsen scheint. Mich erinnert das an Kabakov und eine transportable fremde Welt, präsentiert zum Neugierig sein. Auf dem Treppenabsatz eine Etage höher ist eine Transportkiste mit traditionellen Möbeln als beengte Wohnung eingerichtet. Meine chinesische Freundin wusste gleich, was ich meine als ich davon erzählte. Alte Hausnummern aus Peking an die Wand installiert. Gezeichnete Kalenderblätter aus einem partizipativen Projekt mit ikonischen Sujets. Ein Video mit einer aus Nahrungsmitteln gebauten Stadt, die nach Abschluss der Bauarbeiten von Kindern geplündert wird. Eine mehrteilige Videoarbeit mit Landschaften aus Nahrungsmitteln, bei denen Lachs einen Saucensee begrenzt und Brokkolibäume die Vegetation sind – auch in diesen Videos gibt es nach dem Aufbau ein Gemetzel. Die Landschaften sind stimmungsvoll, das Gemetzel ist eins, das man gerne selber veranstalten würde. Auf einer Fotografie an der nächsten Wand erinnern Fischköpfe an eine getuschte Bergkette und in einem Kabinett ist unter einer elektrischen Sonnenfinsternis eine Wiese aus Zuckergusszipfeln im Aufbau. Ein doppelstockhoher Raum auf der anderen Seite des Treppenabsatzes hat Platz für ein Haus mit drum herum sortiertem Hausrat im Übermaß. Angesammeltes von der Mutter des Künstlers. Zwei Frauen gehen gleichzeitig mit mir durch die Installation. Sie freuen sich an dem Vielerlei, fühlen sich an ihre Ansammlungen erinnert und versuchen das Sammeln der Sammlerin nachzuvollziehen. Sie stellen sich vor, wie die am Rand der Installation aufgestapelten Kartons mal in China unter einem Vordach standen.

Ort: Kunsthalle Düsseldorf
Dauer: 06.12.2015 bis 12.03.2016
Besuch: Barbara Christin
Datum: 29.01.2016
URL: www.kunsthalle-duesseldorf.de
wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Song_Dong