Uriel Orlow – Conversing with Leaves – Mainz

zur Ausstellung:

Uriel Orlow recherchiert zu Pflanzen und Umständen, zeigt wie Kolonialismus sich bis heute in Pflanzungen, Pflanzen und ihrem Gebrauch manifestiert. Üblicherweise werden solche Zusammenhänge nicht erfragt. Geranien waren gefühlt schon immer Balkonschmuck – aber wo kommen sie eigentlich her? Was hat es mit Pflanzen in Afrika und Europa auf sich, wie wandern sie, wie etablieren sie sich, welche politischen Umstände gehören dazu und welche persönlichen Geschichten? Wie gehen Gesellschaften mit Pflanzen, ihrer Historie und ihrem Gebrauch um?

Uriel Orlow findet Bilder und entwickelt Installationen, die mit formaler Präzision, sorgfältiger Recherche, beobachteten und erzählten Geschichten einen Raum schaffen, in dem jede und jeder selbst Gelegenheit hat, den Umständen nachzuspüren und eigenen Gedanken nachzugehen. In der Kunsthalle Mainz sind in einer Einzelausstellung mehrere Installationen präsentiert und zeigen in der Gesamtheit einen eindringlichen und offenen Blick auf die Geschichten von Pflanzen und Menschen.

mehr: https://www.kunsthalle-mainz.de/de/exhibitions/archive/18

Notizen:

Im Gropius Bau in Berlin habe ich vor einigen Wochen zum ersten Mal eine Arbeit von Uriel Orlow in der Ausstellung „Garten der irdischen Freuden“ gesehen. Die Installation „Theatrum Botanicum“ kam als Aufbau karg daher: Ein Gestell mit Fotografien und Lautsprechern, ein Samenkorn unter einer Lupe, dazu die Fotografie einer Strelitzie mit Kaninchendraht über der Blüte und ein Video mit Protagonisten, die vor der Kamera unbeholfen wirkten, aber Wichtiges zu sagen hatten.

Die unauffällige Präzision der Installation mit der Herausforderung mich selbst mit den präsentierten Aspekten und ihren Zusammenhängen zu beschäftigen, hat mich neugierig gemacht. Orlows Installationen brauchen Zeit – das gilt insbesondere für die Ausstellung in Mainz. Die Fotos und großformatigen Videos als sinnliche Bildfindungen zu sehen, reicht nicht. (Auch wenn es eine Freude ist.) Die Geschichten, erzählt oder gespielt von Protagonisten, die Zusammenhänge erst aufzeigen, sind wesentlich, um sich wenigstens einen Teil der Recherche und der Merkwürdigkeit zu vergegenwärtigen.

Jede Installation in der Ausstellung hat eine jeweils eigene, angemessene Form innerhalb der Räumlichkeiten, jeder Raum hat eine eigene Stimmung und bietet einen anderen Einstieg in das Themenfeld. Die Recherchen und Geschichten sind so bemerkenswert wie die Präsentation. Wenn es gut läuft beim Besuch, passt alles und zeigt Aspekte auf, die nicht unbedingt alltäglich sind.

Ort: Kunsthalle Mainz
Dauer: 29.11.2019 bis 23.02.2020
Besuch: Barbara Christin
Datum: 03.12.2019
URL: www.kunsthalle-mainz.de/